(Hannover, 19. September 2025). Die Fachvereinigung Omnibus und Touristik im Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) e. V. befürchtet, dass der gestern von der Verkehrsministerkonferenz (VMK) getroffene politische Beschluss nicht die Finanzierungsprobleme beim Deutschlandticket löst.
Die Verkehrsministerkonferenz hatte beschlossen, den Preis für das Deutschlandticket im kommenden Jahr von 58 Euro auf 63 Euro anzuheben. Bund und Länder sind leider weiterhin nur bereit, mit 3 Mrd. Euro pro Jahr das Ticket mitzufinanzieren. Die Omnibusbranche errechnete für das Jahr 2026 aber einen Bedarf von 3,8 Mrd. Euro. Eine Preisanhebung um fünf Euro ist nicht vollständig kostendeckend.
„So darf man als vorsichtiger Kaufmann nicht kalkulieren“, sagt GVN-Landesgeschäftsführer Michael Kaiser. Weiter führt er aus: „Fest steht, die Verkehrsunternehmen haben für das Abenteuer Deutschlandticket schon jetzt zu viel aus eigenen Mitteln finanzieren müssen. Ich erinnere nur an die Anschaffung von Hard- und Software und die damit verbundenen administrativen Personalkosten. An die demnächst anfallenden Kosten, zur Scharfschaltung der Stufe III der Einnahmenaufteilung, mag ich heute noch gar nicht denken.“
Mit einer Preisanhebung auf 64 Euro oder auf 65 Euro hätte man das Deutschlandticket auf eine grundsolide ausfinanzierte Basis gestellt. Mit der geplanten Übertragbarkeit nicht ausgeschöpfter Mittel auf das Folgejahr, so wie es wieder kommen soll, wäre kein Euro verloren gegangen, wenn für 2026 am Jahresende der eine oder andere Euro übriggeblieben wäre. Mit einer derartigen Anhebung würde kein Geld verspielt.
„Im Ergebnis ist bei den Verkehrsunternehmen für das Deutschlandticket kein Cent mehr zu holen. Ich bin mir sicher, für die Mehrzahl der ebenfalls betroffenen Aufgabenträger gilt ähnliches. Mit Effizienzgewinnen zu rechnen, wie es Politik und Verwaltung sich vorstellen, ist grob fahrlässig. Sauber Kalkulieren ist leider nicht jedermanns Sache“, so Michael Kaiser.
Ein auskömmlicher Preis wäre eine erste wichtige Stütze für den Erhalt des Tickets. Weitere Herausforderungen, wie zum Beispiel die Regelungen zur Einnahmenaufteilung, werden von Beteiligten noch viel Fingerspitzengefühl abverlangen. Die GVN-Fachvereinigung Omnibus und Touristik ist bereit, diesen Weg mitzugehen. Erfolg oder Scheitern des Deutschlandtickets, beides ist noch möglich. Alle Beteiligten sollten sich dieser Optionen bewusst sein.
Es gibt aber auch positive Signale. Die Einigung der Verkehrsministerkonferenz auf eine angestrebte längerfristige Lösung kann den Verkehrsunternehmen die dringend notwendige Verlässlichkeit bieten. Das Versprechen, einen Index zum Ausgleich inflationsbedingter Mehrkosten gemeinsam mit der Branche zu erarbeiten, nehmen wir sehr ernst.